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Auf Segeltörn mit der «Statsraad Lehmkuhl»
Selber die Taue hochklettern und bei Wind und Wetter an fremde Küsten segeln – ein einzigartiges Erlebnis für jedermann.
Wenn der Dreimaster «Statsraad Lehmkuhl» in seinem Heimathafen Bergen
(Norwegen) vor Anker liegt, wird er unweigerlich von Touristen –
manchmal auch von Einheimischen – fotografiert. Das majestätische, 98
Meter lange Segelschiff scheint aus einer anderen Zeit der Seefahrt zu
stammen, sieht aber wie neu aus und zieht die Blicke unweigerlich auf
sich, wenn es seine 22 Segel aufzieht und mit 2026 Quadratmeter
Segelfläche westwärts in den Schärengarten vor der Fjordstadt zieht.
Gebaut wurde das Schiff 1914 in Bremerhaven; es war zunächst unter dem
Namen «Grossher- zog Friedrich August» ein Segeltrainings-Schiff für
die deutsche Handelsmarine. Nach dem Ersten Weltkrieg war es britische
Kriegsbeute, doch schon 1923 wurde es durch eine Interessensgruppe aus
Bergen rund um Staatsminister Kristofer Lehmkuhl erworben. Es erhielt
den neuen Namen, der bis heute Bestand hat – mit Ausnahme der
Kriegsjahre 1940-1945, als die deutschen Be- satzer Norwegens das
Schiff requirierten und vorübergehend in «Westwärts» umtauften. Bis
1973 war es dann ein Trainingsschiff für die norwegische Marine. Seit
1978 ist es im Besitz der «Statsraad Lehmkuhl Foundation». Diese
vermietet das Schiff an Vereine, Schulen oder Firmen und veranstaltet
auch selber regelmässig Kreuzfahrten. Zudem wird an
Segelschiff-Regatten wie «Tall Ships» teilgenommen.
Matrosenleben als Ferienerlebnis
Für Touristen sind vor allem die öffentlichen Segeltörns von Interesse.
Zwischen Mai und August gibt es verschiedene Touren ab Bergen nach
Torshavn (Färöer), Lerwick (Shetland-Inseln), Rosendal (Norwegen),
Antwerpen (Belgien) und Aalborg (Dänemark). Das Spezielle daran: Man
ist nicht Passagier, sondern muss an den Arbeiten auf dem Schiff
teilnehmen, natürlich mit Hilfe und unter Aufsicht von professionellen
Seeleuten. Gewisse Aktivitäten wie das Klettern auf die Masten sind
freiwillig. Aber wer will darauf verzichten, auf der Aussichtsplattform
hoch oben auf dem Mast Wache zu stehen?
Die Wachrunden können ausgelesen werden (man ist dann z.B. Teil der
«Blue Watch», welche tagsüber Wache hält); Wachen sind ab 8 Uhr und bis
Mitternacht geplant. Daneben gilt es, beim Segelvertäuen zu helfen oder
andere Aktivitäten auf Geheiss des – deutschen – Kapitäns Markus Seidl
auszuführen, und zwar bei gutem wie bei schlechtem Wetter. Und
geschlafen wird in einfachen Kojen mit Schlafsack oder in Hängematten.
Entschädigt wird man für diese «Entbehrungen», welche eigentlich das
Wesentliche des Erlebnisses sind, mit grandiosen Küstenstreifen, dem
Geruch von Salz auf hoher See, geselligen Abenden, wo bei gutem Essen
Seemannsgarn gesponnen wird, vielleicht kleinen Kursen im Knoten wenn
mal Zeit vorhanden ist.
Mit Kindern auf hoher See
Im Übrigen sind auch Kinder willkommen. Sollten die Kleinen auf die
Taue hochklettern wollen, ist das kein Problem: Es gibt
Sicherheitsvertäuungen.
Für jene, denen das alles zuviel ist, die aber dennoch gerne diese
«Grand Old Lady» der Meere erleben möchten, gibt es den ganzen Sommer
hindurch auch Abend-Touren durch die Schären- gärten vor Bergen, wo man
ab und zu die Hurtigrutenschiffe oder andere, grössere Kreuz-
fahrtschiffe kreuzt oder unter riesigen Brücken hindurchfährt. Meistens
ist dann auch eine Band an Bord (Jazz, Blues, Irische Musik) und es
wird bis 22 Uhr gesegelt – in Bergen ist dann die Sonne noch hoch am
Himmel.
∞ Visit Norway (Norwegisches Fremdenverkehrsamt): Telefon 0049 0180 500
15 48 (kostenpflichtig), E-Mail hamburg@innovationnorway.no, Internet
www.visitnorway.de.

